Mode

Haute Courage

Was heute mutige Mode ist

10.07.2012 von Valentina Finger

Spektakulär ist nicht gleich mutig: Manchmal erfordert es weit mehr Mut, seinem eigenen Stil treu zu bleiben. // Foto: Miriam Schaaf

In der Mode, so scheint es, geht heute alles. Was es nicht gibt, wird morgen geschneidert. Doch wenn man keine Angst vor Experimenten haben muss, kann man zugleich nichts mehr wagen. Ist Mode von heute noch mutig?

Die stachelige Protestkleidung der Punks oder die wenigen Zentimeter, um die Kaiserin Eugénie, die Gattin von Napoleon III, ihre Kleider an den Knöcheln kürzer trug als bei den Damen Frankreichs üblich: Anderssein erfordert Mut und wer sich traut, aufzufallen, trägt Mut am Körper. Inmitten von Kleiderordnungen und modischer Homogenität, wie es noch zur Zeit der Aufklärung Standard war, wurde Individualität schnell zum gesellschaftlichen Selbstmord. Heute gibt es Modestile zuhauf, fast zu viele, um noch etwas riskieren zu können. Kleidet man sich wie ein Punk, macht einen das nicht zum Anarchisten, sondern zu Vivienne Westwoods bester Kundschaft. Und ein Rock im Stile Eugénies schockiert in einer Zeit, die schon den Mikro-Mini kennt, wenn überhaupt durch Altbackenheit."Heutzutage haben wir die Möglichkeit, alles zu tragen und alles zu sein, was wir darstellen möchten“, sagt der Münchner Modedesigner Patrick Mohr, dessen extreme Kollektionen nicht selten an den Grenzen der Tragbarkeit kratzen. „Generell gehen die Leute aber eher kein Risiko ein, da sie nicht anecken möchten.“ Hier scheint sich das Paradoxon im Modeverhalten der Gegenwart aufzutun: Obgleich wir alles tragen könnten, trauen wir es uns nicht und tun wir es doch, mokiert sich niemand darüber. Ist die Mode feige geworden? Falls ja, ist es nicht ihre Schuld.Zumutung statt mutig: UntragbarkeitHeute ist Mode überall und doch wird sie kaum registriert. Im Gegensatz zum letzten Jahrhundert, als sie … mehr ...

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